Hochgrat
(Zwergisch: Grongash, Isdira: Amagra'tâi)
„Ihr wollt den Hochgrat überqueren, junger Freund?“
Der Einheimische lacht lauthals auf und greift dann nach seinem Ale, um sich einen herzhaften Schluck zu gönnen. Als er den unverständigen Blick des jungen Mannes bemerkt, schaut er ernst und erklärt sich.
„Niemand überquert den Hochgrat, mein Junge! Der Hochgrat ist ein gewaltiges Bergmassiv, das sich von Ost nach West erstreckt und die fruchtbaren Ebenen von der südlichen Wüste trennt. Einem natürlichen Bollwerk gleich hindert es das Sandmeer daran weiter vorzudringen und hält die heißen Winde fern.
Es gibt bis heute niemanden, der einen Pass über diese Riesen gefunden hat. Ihr würdet erfrieren bevor ihr die Gipfel erreicht habt oder euer Leib würde zerschmettert daliegen und verrotten ohne je gefunden zu werden.
Zerklüftet und steil sind diese Berge und ihr wollt schaffen, was Dutzende vor euch schon vergeblich versuchten? Ihr werdet allenfalls den Tod finden, wie sie alle, die mit diesem Vorhaben auszogen und von denen nie wieder jemand gesehen wurde.“
Der Mann nimmt wieder einen Schluck aus dem Becher und als der Fremde noch immer ungläubig zu ihm sieht, spricht er erneut und seine Stimme erfüllt beinahe Ehrfurcht.
„Es heißt, die Götter selbst würden manchmal von dort oben aus das Land überblicken und selbst die Zwerge, die besten Bergleute und Steinmetze, wie jeder weiß, kennen wohl keine Wege über diese Berge, die sie Grongash nennen.
Nein, nein, schlagt euch das aus dem Kopf!“
Eine Weile herrscht Schweigen. Doch wieder ist es der Einheimische, der es bricht.
„Die Elfen der Wälder sind ein weises Volk. Da werdet ihr mir doch sicher zustimmen, nicht wahr?“
Der Fremde nickt, weiß er doch von den Geschichten, die man sich über die Elfen erzählt.
„Sie nennen diese Berge Amagra’tâi, was sinngemäß wohl soviel wie Tötende Berge bedeutet. Allein dies sollte euch genügen, um zu verstehen, weshalb eure Absicht ein einziger Irrsinn wäre. Haltet euch an die Reisewege wie alle anderen und werft euer leben nicht ohne Not fort. Der Hochgrat ist nicht dazu bestimmt von eines Menschen Fuß überquert zu werden. Zu hoch sind sie, dass sogar alles Leben der Herrin Ariatha den Gipfeln fern bleibt.
Das Leben ist zu wertvoll und rechtfertigt die Umwege um den Hochgrat. Denkt nicht mehr daran, mein junger Freund und bestellt uns lieber noch einen Becher. Ich will euch dann von etwas erzählen, das eure Abenteuerlust stillen wird und euer Leben schont“