Insel der sieben Steine

Beifang eines Fischers an der Westküste. Niedergeschrieben in einem durchnässten, halb zerfledderten Buch:

„…Noch immer tobt der Sturm. Wie in unbändigem Zorn wirft sich das Meer wider die Küste dieser kleinen Insel. Es ist als wollten die Götter Rache nehmen für einen Frevel und sie in die Tiefen der See ziehen.
Mein Lager bietet mir ausreichen Schutz vor der Gischt und dem prasselnden Regen. Zwar bin ich durchnässt bis auf die Knochen und muss fürchten, dass mein kleines Boot inzwischen zerschellt ist, doch das Feuer immerhin hält mich warm.

Immer wieder flackern Blitze über den Horizont. Für Bruchteile eines Augenblicks erhellen sie die kleine Ebene vor mir. Düster zeichnen sich die Silhouetten der sieben ab gegen eine sturmgepeitschte See. Wohl seit Jahrhunderten setzte kein menschliches Wesen mehr einen Fuß auf dieses Eiland.

Ja so lange ist es her, zumindest berichtete mir dies der alte Zausel als ich noch auf dem Festland weilte. So lange ist es her, dass jene sieben von Leben durchströmt und sieben jugendliche Brüder waren.
Es kostete mich eine Reihe teuren Fusels, ehe der Alte bereit war, mir von der Legende zu berichten.
Sieben junge Fischer, seien sie gewesen. Hinausgesegelt zu der Insel auf der ich nun Schutz suche vor dem Sturm. Verrufen waren die Gewässer hier schon seinerzeit und von allerlei Unwesen bevölkert, so versicherte der Alte mit einem zahnlückigen Grinsen.
Aber was wäre schon rechtes Seemannsgarn, ohne ein paar Nixen oder Seeungeheuer?!
Ihr Fang also sei schlecht gewesen an jenem Tag und so führte sie ihr Weg weiter hinaus als gewohnt, direkt vor die Gestade dieses Eilandes.
Einen Ruf hätten sie vernommen, so sagt man. Den Ruf einer Frau, lieblich, süß ihre Stimme. Sie lockte sie auf ihre Insel und sie folgten ihr bereitwillig. Doch dort erwartete sie kein süßes Lächeln, keine liebliche Gestalt, dort erwartete sie ihr Tod. Und in ihrem Anblick wurden sie zu Stein und ihr Leben floh von ihnen.
Noch heute stehen sie an jenem Ort, an dem sie jene erblickten, die sie gerufen hatte.
So spricht es die Legende, so lallte es der Alte zum Ende hin, mehr schlecht als Recht. Und doch sitze ich hier, unbehelligt und blicke auf eine Reihe von sieben Steinsäulen, gespenstisch zwar, doch keineswegs eindrucksvoll.

Ammenmärchen, wenn man mich fragt … Aberglaube und Seemannsgarn.

Den Sturm warte ich ab, so soll mich morgen mein Boot wieder zurück bringen. Sobald es hell ist, finde ich vielleicht auch noch Zeit mir die Quelle dieses seltsamen Leuchtens anzusehen im Zentrum der Steine. Morgen kurz vor meiner Abreise …“