Pass der tausend Stimmen

Rauch, dicht und undurchsichtig wie starker Nebel, hängt schwer über der spärlich eingerichteten Taverne, die ihre besten Tage beim besten Willen bereits hinter sich gelassen hat. Die Möbel sind beschädigt, Ecken und Kanten haben sie in der Vergangenheit fallen lassen. Dem ein oder anderen Tisch fehlt mit Sicherheit nicht erst seit gestern ein Bein und der Bewuchs der Mauern scheint lebhafter zu sein als der dickbäuchige, schmierige Wirt der seinen dreckigen Lumpen hinter der Theke durch einige arg mitgenommene Gläser fahren lässt.

Auch scheint sie nicht an die Besucherzahlen früherer “Glanzzeiten” heranzureichen, nur einige einsame und merkwürdig anmutende Personen sitzen allein für sich in düsteren Ecken und strahlen alles Andere als das Gefühl von Behaglichkeit aus, so wirkt die gesamte Schenke düster und dunkel, Tristesse die auf das Gemüt zu schlagen scheint.

Einzig eine Gruppe, drei Menschen an der Zahl, die sich in der Mitte des Raumes um einen alten Eichenholztisch mit unzähligen Kerben und Macken versammelt haben, sorgt für ein wenig wahrnehmbares Leben in der Spelunke, und so vernimmt man ihr Gespräch auch noch in den hintersten Winkeln der Stube.

Der Sprecher, ein sichtbar gealterter Mann mit tiefem von den Zeichen der Zeit geplagtem Gesicht, lehnt sich vor um seinen Worten etwas Nachdruck zu verleihen, als würde seine Erfahrung und Weisheit den Raum vollends in Stille ertränken.

Auf die Erwiderung des Jungspundes der Runde ertönt nur ein krächzendes, gequältes Lachen des Alten.

„Mit jeder Seele wachsen die Felswände an und nimmt der säuselnde Wind zu, eines Tages wird er durch das Leid der Vielen einstürzen, glaub es nur! Du wärest nicht der erste, den die Stimmen in den Wahnsinn treiben und der nie wieder aus den Eislanden zurückkehrt !”

Es scheint fast als plustere sich der Greis auf, die Adern am Hals und auf der Stirn treten hervor, die Augen drängen aus den Höhlen von seiner Leidenschaft gepackt. Dann durchbricht ein weiteres, ungesund klingendes Husten die Anspannung und der für kurze Zeit so groß und mächtig wirkende alte Mann sinkt zurück zu einem kleinen Häufchen Elend in seinen Stuhl.

Mit den Worten des Alten verebbt auch das Gespräch, alles pendelt sich wieder im unhörbaren Düster der Taverne ein, als wäre es nie anderst gewesen.