Sturmgrat
Einem standhaften Riesen gleich erhebt sich der Sturmgrat im Südwesten des Landes aus der Erde. Hart und steil, unbeugsam, ragt sein zerklüfteter Rücken dem Meer entgegen, um den Winden ein Trotz zu sein; sanft und behutsam hingegen fällt er hinab ins Tal des Spiegelsees, das seine Ausläufer umgeben wie schützende Arme, die erst enden, wo die Stürme gezwungen sind, sich zu einer Brise zu mildern. So hat mancher Wagemutige bereits versucht, ihn angesichts seiner gutmütigen Seite und um des Ruhmes Willen zu erklimmen und auf der gegenüberliegenden Wand hinab zu steigen, doch so sie nicht aufgaben vor den stets in dichten Nebeln liegenden höchsten Graten hat man nie wieder von ihnen gehört. Soweit die Legenden zurückblicken können, ist es einzig der Spiegelsee, dem er eine Kluft gewährt, um seinem Wunsch, sich mit dem Meer zu vereinigen, nachzugeben.
Die Alten des Landes sagen, der Bergrücken schicke als Preis seinen Atem aus, wo der Fluß in das Gestein dringt, und tatsächlich liegt die Mündung in den Fels beständig in einem dünnen Nebel, der manches Mal an warmen Frühlingstagen gar bis zum See hin dringt. Die Abergläubischsten unter ihnen aber sprechen vom Werk der dunklen Götter, welche Unwesen in die von schierem Fels umgebenen Ausläufer gesetzt haben, und der Nebel sei nichts anderes als der Rauch ihres flammenden Atems, ein Zeichen, um niemals in Vergessenheit zu geraten.