Yespha

Auch: Yahane, Herrin des Todes, Rabenherrin, stille Schwinge, die Gesichtslose
Charakterisierung: still, urteilslos, gefühllos, geduldig, ruhig
Aufgabenbereich: Tod, Stille, Vergessen, Vergebung
Symbole/ Farben: schwarz, der Rabe, erloschene Kerze, geschlossene Augen



Yespha ist der Name der Göttin des Todes, der Stille und des Vergessens, die Hüterin der Dahingeschiedenen, die diese auf ihrer letzen Reise ins Jenseits begleiten. Sie ist eine der wenigen Göttinnen, die nicht die Macht über die Welt anstrebt, denn ihr Platz unter den ihren ist unantastbar. Ein jeder der Götter ist auf ihren Dienst angewiesen, ist sie es doch, die nach dem Tode die Gläubigen in ihren sanften Armen birgt, sie so vor ewiger Verdammnis und Pein im Nichts des Reiches der verlorenen Seelen bewahrt, und die Gläubigen zu den Paradiesen der jeweiligen Gottheiten geleitet oder sie in ihr eigenes führt, so der Verstorbene keinem der Glaubensrichtungen anhing und dennoch nicht verdient im Reich der verlorenen Seelen zu enden.
Yespha bezieht keine Seite, fällt kein Urteil über die Taten auf Erden, und ähnlich ihres Gegenparts Ariatha ist ein jeder in ihren Reihen willkommen. Niemand, so heisst es, ausser jene, die dem Untode huldigen und diesen zu erreichen versuchen, werde von Yespha zurückgewiesen.

„Im Tod sind wir alle gleich.“
(Altes Volkssprichwort)



Jeder Priester der Yespha verinnerlicht den Glauben um Yespha, wie ein jeder Priester anderen Glaubens auch. Weltliche Belange und Politik der Herrschenden sind nicht die ihren und kein Yespha-Priester wird in die Angelegenheiten weltlicher Interessengruppen eingreifen, solange diese nicht mit Nekromantie und ähnlichem zu tun haben. Sie sind neutral in ihrer Haltung, gemäß der Neutralität der Göttin. Jedes Lebewesen hat ein Anrecht auf Yesphas Segen und selbst ein Drow, der dies in Anspruch nehmen wollte, würde nicht abgewiesen, auch wenn der Mensch im Gewand des Yespha-Priester durchaus vor einem Drow Angst haben könnte. Ihre Aufgabe ist es jeden Sterbenden durch Gebete und Anwesenheit zu unterstützen und so Yespha um deren Geleit zu bitten, auf das der Sterbende der ewigen Verdammnis und Pein entgehe. Sie huldigen nicht dem Tod, sondern sehen den Tod als notwendigen Teil des Lebens. Ist es doch der Tod und ihre Göttin, die verhindern, dass die Welt sich überfüllt und in dieser Fülle vergeht. Den Lebenden dienen sie, in dem sie für sie bitten und beten, auf das diese Yespha nicht zu frühzeitig begegnen und ihr Leben zu früh endet.

Fanatische Fraktion: Wie jeder Glaube, hat auch der Glaube der Yespha fanatische Anhänger und Irrgeleitete, die Yesphariter. Dabei handelt es sich um einige Wenige, die Yespha glauben zuarbeiten zu müssen, den Tod in ihren Riten und Zeremonien zelebrieren und herbeiführen. Nicht selten mit Opfergaben lebender Menschen. Sie huldigen so der Göttin und glauben fälschlicherweise die Herrschaft Yespha’s über die Welt herbei zu beschwören. Die beiden Teile der Yesphakirche lassen einander unangetastet. Kein Teil fügt dem anderen etwas zu oder geht gegen ihn vor, denn zu groß erscheint die Gefahr gegen einen Diener der Herrin ihres Glaubens vorzugehen und so den Zorn der Göttin auf sich selbst zu ziehen. Wollen doch auch die Anhänger des Glaubens nach ihrem Tode nicht in ewiger Verdammnis und Pein im Reich der verlorenen Seelen verweilen müssen. Sie gehen einander aus dem Weg und meiden jeglichen Kontakt. Treffen sie doch aufeinander, so kommt es meist zu einem schnellen Auseinandergehen in Schweigen. Nur selten ergibt sich eine Diskussion und nie endet solche in einem Konflikt, der dem Gegenüber körperlichen oder geistigen Schaden zufügen könnte. Rein äußerlich kann man sie nicht auseinanderhalten und erst ihr Verhalten oder ihre Handlungen mögen Aufschluss darüber geben, ob sie dem Pfad der großen Gemeinschaft oder dem dunklen Pfad der Yesphariter angehören. Die Anhänger der gemäßigten Yesphakirche glauben im Gegensatz zu den fanatischen Yesphaanhängern, dass es nicht die Aufgabe der Sterblichen ist zu entscheiden, wer zu welcher Zeit den Tod erfahren soll. Sie sehen es als Fehler an, Yespha’s Wirken vorzugreifen. Einzig Yespha selbst, hat in ihren Augen das Recht und die Weisheit zu bestimmen, wann ein Sterblicher die Welt zu verlassen hat. Die fanatischen Yesphariter sehen dies natürlich genau anders herum.

 

Kardis

Eine halbgöttliche Dienerin Ariatha’s und Yespha’s
Aufgabenbereich: Wahrung des Gleichgewichts, Emotionen, der Mond
Farben: Blutrot, Anthrazit (silbergrau)


Kardis ist eine Göttin neutraler Gesinnung, wird jedoch in der sterblichen Welt auch als zum Bösen tendierend angesehen. Der Legende nach entstand sie, als die Götter des Lichtes und der Dunkelheit gegeneinander rangen und so ihre Kräfte im Kampfe nutzten, anstatt über die sterbliche Welt zu wachen. Während die Götter des Lichtes ihren Abkömmling schickten, sandten die Götter der Dunkelheit ihr Werk, Kardis selbst. So ist Kardis zwar ursprünglich eine dunkle Göttin, hat sich jedoch der Wahrung des Gleichgewichts verschrieben und steht den lichten Göttern mit neutraler Höflichkeit gegenüber.

Ein weiterer Aspekt neben ihrer „zwielichtigen“ Herkunft, der die Menschen oftmals misstrauisch gegenüber der Göttin Kardis stimmt, ist die Tatsache, dass die Göttin durch die Domäne der Emotionen oftmals als Schutzherrin der Frauen, Affekttäter, Raufbolde und Hitzköpfe gilt. Begeht der Liebende ein Verbrechen aus Zorn und Verletztheit, so ist es Kardis, die ihm die Buße abnimmt, ihm Verständnis für seine Tat aber auch für die Handlungen des Ziels seiner Begierde gibt und ihn schlussendlich zur Läuterung führt.
Vor allem Frauen, deren Wesen auf ganz natürliche Weise sehr emotionsbetont ist, gelten als gesegnet von der Göttin. In Kardis' Namen suchen die Wüter und Hitzköpfe Vergebung für ihre Taten, denn Kardis allein kennt die Macht der Gefühle und deren Kraft, die nur zu oft Überhand über den Verstand nimmt. Somit ist Kardis es, die das Gleichgewicht auch im Inneren des Menschen wieder herstellt, die Ausgewogenheit zwischen Emotionen und Verstand.
Kardis bildet die Instanz zwischen den Göttern des Lichts und der Dunkelheit und erhält somit das Gleichgewicht zumindest im Pantheon. Gleiches versucht sie auf Erden zu erreichen, indem ihre Priesterschaft das Gleichgewicht zwischen den Mächten der Sterblichen zu erreichen versucht.
Der Mond wird oftmals als „das Allsehende Auge“ bezeichnet, eine Anspielung auf Kardis' wachsamen Blick, der auf den Geschehnissen in der sterblichen Welt ruht. Ebenso gilt der Mond als Präsenz Kardis' zwischen den Extremen, denn er durchstreift den Himmel sowohl am Tage wie auch des Nächtens, ohne sich eines der Beiden völlig einzuverleiben, und beeinflusst Gezeiten, den Fruchtbarkeitszyklus und die Jahreszeiten, ohne wirklich vorzuherrschen. Diese allumgebende, unaufdringliche Präsenz, Beeinflussung ohne Zwang, Wandel ohne Gewalt, zeichnet Kardis vor allem aus.

Da sich prinzipiell eine der Seiten durch Kardis' Unberechenbarkeit verraten fühlt und die Priester zu manchen Zeiten auch gezwungen sind, die Seiten zu wechseln (so sie sich tatsächlich einer Seite offensichtlich zuwenden) um das Gleichgewicht auch wirklich zu wahren, gelten Kardianer oft als Verräter, Intriganten und unzuverlässig, was den grössten Teil ihres „zum Bösen tendierenden“ Rufes ausmacht. Des weiteren ist es zwar Kardis' Ziel, das Gleichgewicht zu erringen (und so es erreicht wird, zu wahren), und sie steht ebenso neutral gegenüber anderen Gottheiten, doch sind die Mittel, mit denen das Gleichgewicht zu erringen sein könnte, sehr mannigfaltig und abhängig von dem jeweils beschrittenen Prophetenpfad.

Kardis gilt als das symbolische Tor zur Götterwelt, als Waagenhals und als Instanz zwischen den lichten und den dunklen Mächten, und steht daher vor allem Meranus als Bringer des Guten und Neq'roth als Bringer des Bösen nahe und wird als Yespha und Ariatha untergeordnet betrachtet. In Kardis' Diensten streben Priester und Paladine nach ihrem Gleichgewicht.